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  Gedanken zu Pfingsten und zum Turmbau zu Babel
(eine Pfingstpredigt von Pater Josef Rabijns)

Eine Geschichte gegen den Größenwahn:
"Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen ...".
Die Erzählung vom Turmbau zu Babel klagt einen unglaublichen menschlichen Hochmut an, dessen Bauten bis zum Himmel, bis in den Bereich Gottes reichen.
Die Erzählung spielt im Zweistromland, im Land zwischen Eufrat und Tigris.
Als die Juden nach Babylon verbannt waren, bewunderten sie die riesigen Tempelanlagen, und vor allem den riesigen Tempelturm, von dem man den Eindruck hatte, dass er bis an den Rand des Himmels reichen will.
Menschen bauen riesige Türme, sie scheinen selbst den Himmel stürmen zu wollen.
Und Gott muss lachen.
"Auf, steigen wir hinab, und verwirren wir dort ihre Sprache ...".
Gott muss vom Himmel hinabsteigen, um die Stadt und den Turm zu besichtigen, die die Menschen in ihrem Hochmut bauen.
Ironie in Reinkultur. Und das Ende vom Lied: Gott verwirrt die Sprache der Menschen, dass keiner mehr den ändern versteht.
Und so bekommt auch der Name Babel eine entsprechende Deutung, "Wirrsal".
Das klingt ganz abwertend.
In Wirklichkeit meint der Ortsname Babylon "babilu", was heißt "Tor des Himmels".
Aber Israel kann nur eine bissige Satire auf diese Stadt Babylon schreiben, auf die unsinnigen Herrschaftsansprüche, auf die Gigantomanie dieser riesigen Stadt.
Solche Gigantomanie hat sich heute ins Unermessliche gesteigert. In den Ölstaaten werden Hotelkomplexe und Parkanlagen mitten im Meer gebaut. Hoteltürme von sagenhaften Ausmaßen, riesige Badeanlagen, die Unsummen an Energie verschwenden, Unsummen an Wasser brauchen, Aber nicht nur in den Golfstaaten.
Auf spanischen Inseln, in der Karibik, in Südostasien, allüberall entstehen riesige Hotelkomplexe, in denen Unmengen an Wasser verbraucht werden müssen. Niemand weiß, wohin das noch führen soll.
Und die Bankentürme allüberall - der große Bankenzusammenbruch im letzten Jahr hat hier eine deutliche Warnung ausgesprochen. Übertreibt es nicht!
Nun müssen wir allerdings etwas vorsichtig werden. Unser Text ist ein sehr polemischer Text. Er ist von Unterlegenen geschrieben, von durch die Übermacht der Babylonier besiegten Menschen, die ihre Freiheit eingebüßt hatten. Hier schreiben sie sich auch ein wenig ihren Zorn vom Leib.
Dass Gott die Sprache der Menschen verwirrt, damit man einander nicht mehr versteht, um solchem menschlichen Größenwahn einen Riegel vorzuschieben - das ist nur die eine Seite der Wahrheit.
Die Bibel ist ja ein höchst vielstimmiges Buch, die auf sehr vielstimmige Weise von Gott und den Menschen spricht.
Unmittelbar vor unserer Erzählung, im Kapitel 10, steht die große Völkertafel. Dort wird die Vielfalt und auch die Unterschiedlichkeit der Völker als etwas von Gott Gewolltes, etwas Positives dargestellt. Praktisch alle damals bekannten Völker werden aufgezählt. Sie werden als von Gott geschaffen und vor allem als miteinander verwandt bezeichnet.
Eine ganz andere Sicht auf die Vielfalt der Völker und die Vielfalt der Sprachen. Sie kann auch ein Reichtum sein. Und im Anschluss an unsere Erzählung wird diese Geschichte fortgesetzt. Sie mündet schließlich in Abraham, in dem alle Völker der Erde Segen erlangen sollen.
Vor allem aber:
Die Pfingsterzählung in der Apostelgeschichte wirkt wie ein Kontrapunkt zur Erzählung vom Turmbau zu Babel.
Pfingsten erzählt das Wunder, dass Menschen unterschiedlichster Sprachen die Botschaft verstehen, die Petrus predigt.
"Parther, Meder und Elamiter... Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden."
Was in Babel aus einander gebrochen ist, wird an Pfingsten geheilt und zusammengeführt. Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Sprache verstehen plötzlich die Botschaft von der Auferstehung des Christus.
Sie verstehen, dass da, wo Menschen in ihrem Hochmut glaubten, Jesus von Nazaret beseitigen zu müssen, Gott eingegriffen und ihm neues Leben geschenkt hat.
Mehr noch: dass Gott dieses Leben allen Menschen verspricht, die auf dieser Erde zu Opfern werden. Eben auch den nach Babylon verschleppten Juden, all denen, die im Laufe der Geschichte unter die Räder der Mächtigen geraten sind.
Denn was für Jesus gilt, soll nach Gottes Absicht allen Menschen zu Gute kommen.
Gott wird all das durch menschlichen Hochmut Zerstörte heilen und gut machen.
Eine unglaubliche Botschaft!