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Gedanken zu den Texten vom 30. Sonntag im Jahreskreis Ex 22,20-26 Mt 22,34-40 |
Christsein wird oft verkürzt mit: "Ich muss meinen Mitmenschen lieben!" Und begründet wird es mit dieser Stelle im Evangelium, die wir eben gehört haben. Verkürzt deshalb, weil sehr oft der winzige Nebensatz unterschlagen wird: "… wie dich selbst" (Mt 22,39). Dieser Satz ist für mich im Laufe meines Lebens sehr wichtig geworden im Sinne von: Ich bin mir anvertraut. Oder als Frage formuliert: Wie gehe ich mit mir selbst um?
Die Antwort drauf, ist recht erschütternd bei mir! Ich weiß, dass mein Körper mehr Schlaf und weniger Aktivität ganz dringend braucht, und trotzdem bin ich dauernd auf Achse, ein Termin ist erledigt, der nächste steht vor der Tür. Ich weiß, dass ich etwas für meine Gesundheit tun müsste, Sport treiben müsste, mich mehr bewegen müsste und nichts geschieht. Ich weiß darum, wie wichtig es ist, zur Ruhe zu kommen, Gedanken wieder neu sammeln zu können. Und genau das ist der Bereich, in dem ich als Erstes Abstriche mache: "Freier Tag?" - brauch ich doch nicht! Und Jesus weiß, dass es so ist. Nicht umsonst erinnert er nicht nur daran, dass wir den Nächsten lieben müssen, nicht umsonst macht er zum Maßstab dafür die Liebe zu mir selbst. Und er erinnert dabei - und zwar ganz gewaltig - an meine Verantwortung mir selbst gegenüber. Wer mit seiner Gesundheit Raubbau treibt, der versündigt sich. Und wer sich selbst nichts gönnt, wer innerlich stumpf und freudlos geworden ist, der kann nicht mehr offen und liebevoll auf andere zugehen, der hält sich selbst ja nicht einmal mehr. Wie sollte er anderen eine Stütze sein. Wie sagt das Sprichwort so schön? Wer verlernt hat zu genießen, der wird am Ende selber ungenießbar. Jesus erinnert mich heute wieder einmal daran, dass die Liebe zu Gott in der Liebe zum Nächsten gelebt wird als das Hauptgebot unseres christlichen Glaubens. Aber dabei darf ich nie vergessen, dass der Maßstab dafür, die Liebe zu mir selbst ist, zu dem Menschen, der mir von Anfang an und für den Rest meines Lebens anvertraut ist. Wenn ich diesen Menschen - wenn ich mich selbst - nicht voller Achtung, voller Verantwortungsbewusstsein und voller Liebe behandle, wie will ich mir dann einbilden, einer/einem anderen wirklich in Liebe begegnen zu können? Wie wichtig ist doch dieses "…wie dich selbst" (Mt 22,39), um Gott im Mitmenschen zu lieben - jeden Tag aufs Neue. |