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Gedanken zu den Texten vom 17. Sonntag im Jahreskreis 1 Kön 3,5.7-12 Mt 13,44-52 |
Wenn wir wissen möchten, was die Bibel unter Weisheit versteht, dann haben wir hier die beste Definition: Nicht eine gute Schulbildung, nicht blendende Zensuren, nicht ein gutes Zeugnis, und auch nicht die entsprechenden Kurse, Abschlüsse und Bescheinigungen machen Weisheit aus. Weise zu sein, das heißt: ein hörendes Herz zu haben (1 Kön 3,9).
Wer davon spricht, dass er sich Wissen erworben hat, der meint damit, dass er nun gleichsam über ein Reservoir verfügt, aus dem er schöpfen kann. Wer davon spricht, klug zu sein, der meint damit, dass er nachdenken kann und in der Lage ist, eigenständig Lösungen zu finden - Lösungen, die sein Verstand ausklügelt. Wer davon spricht, dass er entsprechende Qualifikation mitbringt, der meint damit, dass er in der Lage ist, die anstehenden Anforderungen auch wirklich selbständig zu bewältigen. Wer weise ist, der hat ein hörendes Herz, der schaut nicht auf sein Wissen, baut nicht auf seine Klugheit oder seine in langen Jahren mühsam erworbenen Qualifikationen. Er hört, er hat ein hörendes Herz, er weiß darum, dass er alleine gar nichts vermag, dass er hören muss - auf andere. Und er versteht das auch! Er versteht es, gut hinzuhören, Ratschläge bewerten zu können und die "Geister" zu unterscheiden. Er hat einen inneren Sensus für das, was andere ihm zu sagen haben, und allen voran der Andere, der ganz Andere, jener Gott nämlich. Seine Wegweisung, seinen Rat, seine innere Eingebung vermag er zu vernehmen. Das macht einen weisen Menschen aus. Deshalb sollte, wer Weisheit sucht und weise Menschen finden möchte, nicht zuerst auf Intelligenzquotienten schielen, nicht nach Zeugnissen fragen und sich auch nicht zuerst in den Universitäten umschauen. Sicher, er wird dort sehr viel Wissen finden, manche klugen Überlegungen und auch sehr viel Rechthaberei. Weisheit ist etwas anderes. Wer Weisheit sucht, muss den Menschen ins Herz schauen. Denn die/der ist weise, der ein hörendes Herz hat, der sich mit seiner ganzen Person auf andere einlassen kann, der spürt, was ein anderer möchte und braucht; der darum weiß, dass Wissen nie etwas Statisches ist, nie etwas, was man sich ein für alle Male erworben hat und nun für immer nutzen kann, sondern etwas, was es immer neu zu erspüren gilt, etwas, was an jedem Tag neu sein kann und deshalb auch jeden Tag neu erlauscht werden will. Wer so ein hörendes Herz hat, der ist weise im Sinne der Bibel - damals und heute. |