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Gedanken
zu den
Texten
vom
1. Fastensonntag
 
Gen 2,7-9;3,1-7
Mt 4,1-11
Dieser Adam ist schwach und verführbar, hat uns die heutige 1. Lesung erzählt. Und ich behaupte mal, dieser Adam steht als Symbol für jeden Menschen: Jeder Mensch ist schwach und verführbar. Ich bin schwach und verführbar. Die große Versuchung, die die Schlange verspricht: "Ihr werdet sein wie Gott!" (Gen 3,5). - Ob das evt. die größte Versuchung von uns Menschen ist? Schrankenlose Macht haben, niemandem Rechenschaft schuldig sein müssen, ganz und gar selbstbestimmt leben.

Ich stelle mir die Frage, ob ich nicht auch genau dieser Versuchung erliege, nämlich so zu leben, als ob es Gott gar nicht gäbe. Ob ich ihn nicht zwischendurch im Alltag immer wieder vergesse, und ich einfach so lebe, wie wenn ich völlig über mich selber bestimmen könnte. Vergesse ich nicht immer wieder darauf, dass ich Gottes Geschöpf bin, dass es eine Macht über mir gibt? Vergesse ich nicht immer wieder darauf, dass ich mich und mein ganzes Leben Gott verdanke?

Ich glaube, dass ist die Ursünde von uns Menschen: zu glauben, Gott nicht zu brauchen. Die Folge davon: Ich überschätze mich, ich verliere die Orientierung, ich finde keinen Halt mehr im Leben, weil mir ein das Fundament abhandengekommen ist, um mein Leben gut, sinnerfüllt und mit Freude zu gestalten.

Der alte Mythos vom Fall des Menschen im Buch Genesis ist für mich der Beginn der eigentlichen Geschichte Gottes mit uns Menschen. Das ganze Alte Testament und dann natürlich auch das Neue Testament, die ganze Heilige Schrift erzählt uns davon, dass Gott seine Geschöpfe nicht aufgibt, er kümmert sich um sie, er will sie zurückgewinnen. Dafür sendet er schließlich sogar seinen Sohn in diese feindselige und orientierungslose Welt.

Jesus widersteht den Versuchungen der Macht, ja, er nimmt selbst das Böse auf sich, um es zu besiegen. Das Böse ist kein Schicksal, dem ich hilflos ausgeliefert bin; die Schuld lastet nicht für immer auf mich; die Sünde ist nicht unverzeihlich; Umkehr ist jederzeit möglich; nichts muss bleiben, wie es ist! Gott lässt mich nicht fallen!

Ich möchte die heurige Fastenzeit nutzen, mir wieder neu meiner Schwächen und meiner Verführbarkeit bewusst zu werden und mich weniger vom Bösen verführen zu lassen. Die Bibel will ich in diesen 40 Tagen öfter dazu nutzen, mir Richtung und Sinn zu vermitteln für Hier und Jetzt.