BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG

 

 

 
Wer in der Bibel liest, hat es gern eindeutig. Doch schon bei den ersten Erzählungen der Bibel über die Erschaffung der Welt gerät man ins Stolpern.
Die Bibel beginnt mit zwei Schöpfungserzählungen, die einander zu widersprechen scheinen. Die vermutlich ältere von beiden steht im zweiten Kapitel. Ihr zufolge schuf Gott den Menschen aus Staub, pflanzte einen Garten in Eden, setzte den Menschen hinein und fordert ihn auf, den Garten Eden "zu bebauen und zu bewahren". Ein sympathischer Gedanke, bis heute aktuell.

Im ersten Kapitel der Bibel steht die historisch jüngere Erzählung. Sie entstand vermutlich 500 Jahre vor Christus, ist nach sechs Schöpfungstagen gegliedert und enthält den folgenreichen Satz: "Macht euch die Erde untertan" (1. Mose 1,28) - oft als Aufforderung missverstanden, die Natur gnadenlos auszubeuten.

Nicht die Schöpfung ausbeuten, sondern sie gestalten und bewahren - das solle der Mensch tun, ­ bekräftigte 1983 der Ökumenische Rat der Kirchen, eine Art Weltkirchenversammlung. Nicht erst seither streiten Christinnen und Christen in aller Welt für "Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung". Die Schöpfung zu bewahren, das bedeutet für die Kirchen nicht nur Arten- und Klimaschutz. Es geht umfassender darum, Grundlagen und Verhältnisse des Lebens aller Menschen zu schützen: ob sie vom Regenwald am Amazonas leben oder als Banker in Singapur; ob sie sich Inuit nennen oder in Wien-Donaustadt leben.
   
   
SCHÖPFUNGSMESSE 27. September 2026

Das Echo der Erde

Es gibt ein feines Gewebe, das alles Lebendige miteinander verbindet. Seit Jahrmillionen entfaltet sich die Schöpfung in einer stillen, perfekten Balance. Die Ströme der Meere, das Wachsen der Wälder, der verlässliche Wechsel der Jahreszeiten - ein ewiger Kreislauf des Schenkens und Empfangens. Wir Menschen wurden hineingeboren in dieses fertige, reiche Haus.

Doch wer heute genau hinhört, bemerkt, dass die Melodie Risse bekommen hat. Der Herzschlag der Erde ist unruhiger geworden. Wir erleben einen Wandel, der nicht mehr der Rhythmus der Natur ist, sondern unsere eigene Handschrift trägt. Die Sommer werden stiller, die Landschaften extremer, die Balance verschiebt sich. Aus dem ehrfürchtigen Staunen über die Schöpfung ist ein unersättliches Nutzen geworden. Wir haben vergessen, dass wir nicht über der Natur stehen, sondern ein Teil von ihr sind. Wenn die Erde Fieber hat, betrifft das auch uns.

Diese Erkenntnis muss uns nicht lähmen, aber sie darf uns wachrütteln. Denn die Schöpfung ist kein Bild an der Wand, das unwiederbringlich zerstört wird - sie ist ein lebendiger Prozess, der in jedem Augenblick neu entsteht. Auch jetzt.

Jede Entscheidung, die wir treffen, jedes Mal, wenn wir mit Respekt hinsehen, schreiben wir an dieser Geschichte mit. Es bleibt die leise Frage im Raum: Welchen Abdruck wollen wir hinterlassen? Sind wir diejenigen, die verbrauchen - oder diejenigen, die bewahren und heilen?
Das geliehene Hause

Die Schöpfung ist ein Meisterwerk der Verbundenheit. Alles greift ineinander: das Licht, das Wasser, das Wachsen der Wälder. Wir Menschen teilen uns dieses Lebensnetz mit Millionen anderen Arten. Es ist ein Zuhause, das uns geschenkt und anvertraut wurde.

Doch wir haben angefangen, die Fundamente dieses Hauses zu lockern. Die Luft wird wärmer, die Extreme nehmen zu, die Vielfalt verstummt. Wir spüren, dass die Schöpfung unter unserer Last seufzt. Der Klimawandel ist kein fernes Ereignis - er ist die Antwort der Natur auf unseren Umgang mit ihr.

Wir können die Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Aber wir gestalten die Zukunft. Jedes Innehalten, jeder Schritt des Respekts zählt. Was wir tun, was ich tue, was du tust zählt!




Die Schöpfung

Die Schöpfung ist ein Netz.
Alles ist verbunden.
Der Himmel, das Wasser, das Leben.
Wir sind ein Teil davon.

Doch das Netz bekommt Risse.
Das Klima wandelt sich.
Die Erde wird wärmer.
Die Natur verliert ihre Stimme.

Unsere Spuren sind überall.
Aus Staunen wurde Ausbeutung.
Wir nehmen mehr, als wir geben.

Die Erde braucht uns nicht.
Aber wir brauchen sie.

Jeder Tag ist ein Anfang.
Jedes Handeln hinterlässt einen Abdruck.
Was hinterlässt du?