Wie ein Nagel im Schuh
 
Irgendwie musst du
an mir interessiert sein,
mein Gott!
Sonst würdest du mich
in Ruhe lassen.
Würdest mich arbeiten,
Geld verdienen,
spielen und leben lassen,
ohne dich einzumischen.

Aber du bist wie ein Nagel im Schuh,
lange versteckt
und plötzlich spitz wieder da.
Wie ein Weisheitszahn,
der sich nach Jahren rührt.
Wie ein Stein,
Über den man stolpert.
Wie ein Telegrammbote
nachts an der Tür.
Unangemeldet, beunruhigend!

Ich klage nicht,
ich stelle nur fest:
Du gönnst mir immer nur Ruhe
für kurze Zeit.
Dann bist du wieder da,
legst dich quer,
bringst Unruhe!

Wenn du mich wach gemacht hast,
bin ich sogar dankbar dafür.
Ständig nur Ruhe,
das klappt die Augen zu,
macht das Herz träge.

Du unruhiger Gott,
vergiß aber nicht:
Ich brauche auch Stunden der Ruhe,
um zu mir zu kommen.
Ich brauche jemanden,
bei dem ich Ruhe finde.
Ich kann nicht immer rennen
und Probleme wälzen.
Du bist es doch gewesen,
der den Ruhetag erfunden hat.

So bitte ich um beides:
Um Ruhe und Unruhe,
wie Flut und Ebbe,
wie Tag und Nacht.
Um Geborgenheit bei dir
und deinen Wecker,
wenn ich darin eingeschlafen bin.
Um jene Unruhe,
die erst dann ihr Ende hat,
wenn ich Ruhe finde in dir.