Donnerstag, 26. November
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
„Babylon (Babel), die große Stadt“ (18,2.21), ist eine historische Tatsache und zugleich ein Mysterium. In der biblischen Überlieferung ist Babel (so der hebr. Name) die Stadt des Bösen schlechthin: Symbol der Macht, des Reichtums, des Hochmuts. Die Propheten haben der mächtigen Stadt und ihren Göttern den Untergang angedroht; die Armeen des Xerxes haben im Jahr 485 Babel zerstört; heute ist es ein Ruinenfeld. Aber noch nach seinem Untergang bleibt Babel in der jüdischen und christlichen Überlieferung das Symbol und der Inbegriff aller gottfeindlichen Mächte. „Babylon“ ist überall da, wo die Mächtigen dieser Erde den Kampf gegen das Volk Gottes („Jerusalem“) aufnehmen. Zur Zeit der Offenbarung des Johannes heißt diese Macht Rom. Das kaiserliche Rom ist „die große Hure“, bei der sich die Völker der Erde und ihre Götter ein Stelldichein geben. Schon der Engel in Offb 14,8 hat ihr den Untergang angekündigt, in Offb 17 wurde noch ihre verderbenschwangere Herrlichkeit geschildert, jetzt aber wird ihr das unmittelbar drohende Ende angesagt: „Man wird sie nicht mehr finden“ (18,21). - Der Untergang des alten Rom war nicht der Untergang der Welt, so wenig wie die Zerstörung Jerusalems. Diese Ereignisse sind Vorboten und wohl auch schon Teil des großen Weltgerichts; sie erschrecken mit ihrem grellen Licht (vgl. 18,1) die Bewohner der Erde. Wenn „der Rauch der Stadt in alle Ewigkeit aufsteigt“ (19,3), so sollen wir verstehen, dass auch noch von der gerichteten Welt ein seltsam verschleiertes Halleluja erklingt, das sich mit dem Lobsang der Engel und Heiligen vermischt.
 
LESUNGOffb 18, 1-2.21-23; 19,1-3.9a
Gefallen, gefallen ist Babylon
Lesung aus der Offenbarung des Johannes
Ich, Johannes, sah einen anderen Engel aus dem Himmel herabsteigen; er hatte große Macht, und die Erde leuchtete auf von seiner Herrlichkeit.
Und er rief mit gewaltiger Stimme: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große! Zur Wohnung von Dämonen ist sie geworden, zur Behausung aller unreinen Geister und zum Schlupfwinkel aller unreinen und abscheulichen Vögel.
Dann hob ein gewaltiger Engel einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein; er warf ihn ins Meer und rief: So wird Babylon, die große Stadt, mit Wucht hinabgeworfen werden, und man wird sie nicht mehr finden.
Die Musik von Harfenspielern und Sängern, von Flötenspielern und Trompetern hört man nicht mehr in dir. Einen kundigen Handwerker gibt es nicht mehr in dir. Das Geräusch des Mühlsteins hört man nicht mehr in dir.
Das Licht der Lampe scheint nicht mehr in dir. Die Stimme von Braut und Bräutigam hört man nicht mehr in dir. Deine Kaufleute waren die Großen der Erde, deine Zauberei verführte alle Völker.
Danach hörte ich etwas wie den lauten Ruf einer großen Schar im Himmel: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Macht ist bei unserm Gott.
Seine Urteile sind wahr und gerecht. Er hat die große Hure gerichtet, die mit ihrer Unzucht die Erde verdorben hat. Er hat Rache genommen für das Blut seiner Knechte, das an ihren Händen klebte.
Noch einmal riefen sie: Halleluja! Der Rauch der Stadt steigt auf in alle Ewigkeit.
Jemand sagte zu mir: Schreib auf: Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist.
 
PSALMPs 100, 2-5
2        Dient dem Herrn mit Freude!
          Kommt vor sein Antlitz mit Jubel!
3        Erkennt: Der Herr allein ist Gott.
          Er hat uns geschaffen wir sind sein Eigentum,
          sein Volk und die Herde seiner Weide.
4        Tretet mit Dank durch seine Tore ein!
          Kommt mit Lobgesang in die Vorhöfe seines Tempels!
          Dankt ihm, preist seinen Namen!
5        Denn der Herr ist gütig,
          ewig währt seine Huld,
          von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue.
 
ZUM EVANGELIUM
Die Zerstörung Jerusalems und das Kommen des Menschensohnes sind der Inhalt des heutigen Evangeliums (21,20-24.25-28). Der Untergang Jerusalems wird von Lukas entschiedener als von Matthäus und Markus als Strafgericht gedeutet („Tage der Vergeltung“, V. 22; „Zorn Gottes“, V. 23). Jerusalem erleidet das gleiche Schicksal wie andere Städte des Bösen und des Unglaubens. Das Gericht über Jerusalem ist noch nicht das Weltgericht; es gibt danach noch eine weitere Epoche der Weltgeschichte: „die Zeit der Heiden“ (V. 24): Über deren Dauer wird nichts gesagt. Die kosmischen Katastrophen, die dem Kommen des Menschensohnes unmittelbar vorausgehen, stehen in keiner zeitlichen Beziehung zum Untergang Jerusalems; Lukas beginnt diesen Abschnitt (V. 25-28) ohne jede Zeitangabe (dagegen Mt 24,29: „Sofort ...“). - Die Jünger Jesu sollen begreifen, in welchem Augenblick der Weltgeschichte sie leben: Es ist die „Zeit der Heiden“, die Jerusalem zertreten haben (V. 24) und die Jünger Jesu verfolgen werden; und es ist die Zeit nach dem Gericht über Jerusalem. Das nächste große Ereignis wird das Kommen des Menschensohnes sein. Er wird kommen, man wird ihn sehen (V. 27). Es wird ein unverkennbares und endgültiges Eingreifen in die Geschichte sein, die im Kommen des Menschensohnes ihr Ende und ihr Ziel erreicht.
 
EVANGELIUMLk 21, 20-28
Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wenn ihr aber seht, dass Jerusalem von einem Heer eingeschlossen wird, dann könnt ihr daran erkennen, dass die Stadt bald verwüstet wird.
Dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer in der Stadt ist, soll sie verlassen, und wer auf dem Land ist, soll nicht in die Stadt gehen.
Denn das sind die Tage der Vergeltung, an denen alles in Erfüllung gehen soll, was in der Schrift steht.
Wehe den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Denn eine große Not wird über das Land hereinbrechen: Der Zorn Gottes wird über dieses Volk kommen.
Mit scharfem Schwert wird man sie erschlagen, als Gefangene wird man sie in alle Länder verschleppen, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen.
Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.
Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.