Mittwoch, 25. November
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
Das Gericht, in dem „der Zorn Gottes sein Ende erreicht“ (15,1), bedeutet für alle, die treu geblieben sind, Befreiung und Rettung, vergleichbar mit der Befreiung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft und aus der tödlichen Gefahr am Roten Meer. Jetzt erst wird sichtbar, wer das wirkliche, für immer gerettete Israel ist, das Israel Gottes. Es sind die Hundertvierundvierzigtausend, die nach Offb 14,1 beim Lamm auf dem Berg Zion stehen und die nach Offb 19,9 zum Hochzeitsmahl des Lammes gerufen sind. Nach 15,2 stehen sie auf dem gläsernen Meer, dem himmlischen Ozean, aus dem die Blitze des Endgerichts zucken („mit Feuer durchsetzt“, 15,2). Wir begegnen hier uralten Vorstellungen vom Himmel, dem Wohnort Gottes, wie sie auch im Alten Testament aufscheinen (Ps 104,3; 148,4); sie dienen dazu, die geheimnisvolle Erhabenheit Gottes anzudeuten. Das gläserne (oder kristallene) Meer soll aber auch an das Rote Meer von Exodus 14 und an das Taufwasser erinnern, durch das hindurch die Christen in das heilige Land Gottes gelangt sind. Das Siegeslied der Geretteten wird als „Lied des Mose“ bezeichnet; es wiederholt aber nicht den Wortlaut des Liedes von Ex 15; es ist ein neues Lied „zu Ehren des Lammes“ und besingt, den Ereignissen vorausgreifend, den Triumph der Gerechtigkeit Gottes.
 
LESUNGOffb 15, 1-4
Sie sangen das Lied des Mose und das Lied zu Ehren des Lammes
Lesung aus der Offenbarung des Johannes
Ich, Johannes, sah ein anderes Zeichen am Himmel, groß und wunderbar. Ich sah sieben Engel mit sieben Plagen, den sieben letzten; denn in ihnen erreicht der Zorn Gottes sein Ende.
Dann sah ich etwas, das einem gläsernen Meer glich und mit Feuer durchsetzt war. Und die Sieger über das Tier, über sein Standbild und über die Zahl seines Namens standen auf dem gläsernen Meer und trugen die Harfen Gottes.
Sie sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied zu Ehren des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, Gott und Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.
Wer wird dich nicht fürchten, Herr, wer wird deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig: Alle Völker kommen und beten dich an; denn deine gerechten Taten sind offenbar geworden.
 
PSALMPs 98, 1.2-3b.3c-4.7-8.9
1        Singet dem Herrn ein neues Lied;
          denn er hat wunderbare Taten vollbracht.
          Er hat mit seiner Rechten geholfen
          und mit seinem heiligen Arm.
2        Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht
          und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
3ab    er dachte an seine Huld
          und an seine Treue zum Hause Israel.
3cd    Alle Enden der Erde
          sahen das Heil unsres Gottes.
4        Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,
          freut euch, jubelt und singt!
7        Es brause das Meer und alles, was es erfüllt,
          der Erdkreis und seine Bewohner.
8        In die Hände klatschen sollen die Ströme,
          die Berge sollen jubeln im Chor.
9        Jubeln sollen alle vor dem Herrn, wenn er kommt,
          um die Erde zu richten.
          Er richtet den Erdkreis gerecht,
          die Nationen so, wie es recht ist.
 
ZUM EVANGELIUM
Im Zusammenhang des Lukasevangeliums beginnt der heutige Abschnitt (V. 12): „Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen ...“ Bei Matthäus heißt es (24,9): „Dann wird man euch in große Not bringen.“ Lukas hat durch sein vorausgestelltes „Bevor ...“ die Reihenfolge (im Vergleich zu Markus und Matthäus) umgestellt: Die Verfolgungen der Christen durch die Synagoge, durch Statthalter und Könige gehören für Lukas nicht zu den letzten Zeichen, die dem Kommen des Menschensohnes unmittelbar vorausgehen, sondern zu den ersten Ereignissen, zu denen, die Lukas selbst und die Kirche seiner Zeit noch erleben. Erst im weiteren der Geschichte treten die politischen, militärischen und kosmischen Erschütterungen ein, von denen in den Versen 7-11 die Rede war. Es wird also noch Geschichte geben, die Jünger müssen sich auf eine lange Zeit einstellen, auf Unterdrückung und Verfolgung. Für diese Zeit gelten die Mahnungen der Verse 14 und 19, vor allem die Mahnung zur Standhaftigkeit in der gegenwärtigen Notzeit der Kirche.
 
EVANGELIUMLk 21, 12-19
Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden. Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Man wird euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch fest vor, nicht im Voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, so dass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern, und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.