Montag, 23. November
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
Von schwersten Prüfungen, Krisen und Gottesgerichten war in den vorausgehenden Kapiteln die Rede. Was wird da vom Volk Gottes noch überhaupt übrig bleiben? Auf diese Frage gab schon das 7. Kapitel eine Antwort: Alle, die das Lamm mit seinem Blut losgekauft hat, werden der großen Drangsal entrinnen. In der heutigen Lesung wird wieder das eigentliche Ziel der Geschichte sichtbar. Der Berg Zion ist Zeichen und Ort der Rettung. Dort steht das Lamm, dort werden alle versammelt werden, die dem Lamm gefolgt sind (vgl. Mt 10,38); keiner der Erwählten geht verloren. Und sie allein, die Menschen der ungebrochenen Treue, verstehen das neue Lied der himmlischen Liturgie (vgl. Offb 5,9): sie verstehen das Geheimnis Gottes und den Sinn der Weltgeschichte. Der Glanz des hier aufsteigenden Bildes wird immer heller werden, je mehr die Offenbarung des Johannes sich ihrem Ende nähert. Und vom Ende her fällt Licht auf die dunklen früheren Kapitel und Stunden der Geschichte.
 
LESUNGOffb 14, 1-3.4b-5
Auf ihrer Stirn trugen sie den Namen Christi und den Namen seines Vaters
Lesung aus der Offenbarung des Johannes
Ich, Johannes, sah: Das Lamm stand auf dem Berg Zion, und bei ihm waren hundertvierundvierzigtausend; auf ihrer Stirn trugen sie seinen Namen und den Namen seines Vaters.
Dann hörte ich eine Stimme vom Himmel her, die dem Rauschen von Wassermassen und dem Rollen eines gewaltigen Donners glich. Die Stimme, die ich hörte, war wie der Klang der Harfe, die ein Harfenspieler schlägt.
Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Lebewesen und vor den Ältesten. Aber niemand konnte das Lied singen lernen außer den hundertvierundvierzigtausend, die freigekauft und von der Erde weggenommen worden sind.
bcSie folgen dem Lamm, wohin es geht. Sie allein unter allen Menschen sind freigekauft als Erstlingsgabe für Gott und das Lamm.
Denn in ihrem Mund fand sich keinerlei Lüge. Sie sind ohne Makel.
 
PSALMPs 24, 1-6
1        Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt,
          der Erdkreis und seine Bewohner.
2        Denn er hat ihn auf Meere gegründet,
          ihn über Strömen befestigt.
3        Wer darf hinaufziehn zum Berg des Herrn,
          wer darf stehn an seiner heiligen Stätte?
4        Der reine Hände hat und ein lauteres Herz,
          der nicht betrügt und keinen Meineid schwört.
5        Er wird Segen empfangen vom Herrn
          und Heil von Gott, seinem Helfer.
6        Das sind die Menschen, die nach ihm fragen,
          die dein Antlitz suchen, Gott Jakobs.
 
ZUM EVANGELIUM
Das berühmte „Scherflein der Witwe“ waren zwei Kupfermünzen, die zusammen kaum mehr als einen Pfennig wert waren. Es war aber „alles, was sie besaß“. Von den Reichen hat keiner „alles“ gegeben - außer einem; von ihm schreibt Paulus an die Korinther: „Ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“ (2 Kor 8,9). Als Jesus sah, was die arme Witwe in stiller Selbstverständlichkeit tat, konnte er nicht anders als an sich selbst und sein eigenes Tun denken. Er ist arm geworden in seiner Menschwerdung, er wird noch ärmer werden am Kreuz. Er gibt alles, was er hat, und er gibt noch mehr: sich selbst. Gottes eigenes Wesen ist in ihm sichtbar geworden (vgl. Tit 2,1); es wird in der dienenden Freiheit der Armen mehr sichtbar als in den „milden Gaben“ der Reichen.
 
EVANGELIUMLk 21, 1-4
Er sah eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen in den Opferkasten warf
us dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit
sah Jesus, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten.
Dabei sah er auch eine arme Witwe, die zwei kleine Münzen hineinwarf.
Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen.
Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss geopfert; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.