Gedanken zu den Lesungen vom 22.11.
Christkönig
1. Lesung: Ez 34, 11-12.15-17
2. Lesung: 1 Kor 15, 20-26.28
Evangelium: Mt 25, 31-46

Auch wenn ich die geschichtliche Bedeutung des Christkönigsfestes gerade in Österreich kenne, dass es darum ging sich von Nationalismen und in späterer Folge besonders vom Führerkult abzugrenzen und klar dagegen aufzutreten, so ist das Bild von Jesus als König doch ein herausforderndes für mich.

Das liegt wohl daran, dass ich ein sehr traditionalistisches Königsbild in mir trage, ein König, der reich und mächtig auf seinen Thron sitzt und absolutistisch regiert, ohne auf die Bedürfnisse seines Volkes zu achten.

Dass Christus ein ganz anderer König ist, ist selbstverständlich, weshalb ich die Bezeichnung als Hirte, wie wir sie auch in der ersten Lesung finden, bevorzuge.

Der Hirte ist ganz nah dran am Geschehen, ist selbst auch den Unwirtlichkeiten des Lebens ausgesetzt. Er thront nicht irgendwo, sondern ist einfach da, mitten unter den Seinen. In der Lesung wird in wunderschönen Bildern angeführt was er alles bereit ist für seine Schafe zu tun, was Gott für uns tut.

Aber da das Fest nun mal Christkönig heißt, möchte ich weiter bei dieser Formulierung bleiben.

Die eigentliche Aufgabe eines Königs wäre es Verantwortung für sein Reich zu tragen, sich gut um sein Volk zu sorgen. Dieses Ideal eines Königs kommt dem Hirten schon wieder sehr nahe.

Jesus spricht oft von seinem Reich, nur ist es kein begrenzter Ort auf unserer Erde, sondern sein Reich ist die ganze Welt. Und was er sich für sein Reich, für uns alle wünscht sagt er auch sehr deutlich: Er möchte, dass wir das Leben und die Freude in Fülle haben. Das möchte Jesus unser König für unsere Welt, doch dafür braucht er uns.

Königinnen und Könige wurden früher, und viele werden es auch heute noch, gesalbt. Jesus der Christus - übersetzt der Gesalbte. Wir Christen sind ebenso gesalbte, bei der Taufe wurden wir mit Chrisam gesalbt, für Gott sind wir wertvoll wie Könige und Königinnen, durch unsere Taufe haben wir Anteil am Königtum Jesu.

Somit sind wir auch mächtig und Macht bringt auch immer Verantwortung - was wir tun gilt, bewegt, verändert. Wir können nicht so tun als würde uns die Welt nichts angehen, denn Gott macht uns mächtig, unser Tun und Handeln lenkt die Welt.

Im Evangelium haben wir es gehört, was wir jemand tun oder nicht tun, das tun wir Jesus selbst.

Jesus identifiziert sich mit den unterschiedlich Armen ganz. Er lebt und leidet so sehr mit ihnen mit, dass alles was wir für jemand anderen tun, wir auch ihm tun.

Mich persönlich bewegt daran sehr, dass Jesus keinen wertenden Unterschied zwischen den Belastungen, Sorgen, Ängsten und Verletzungen der Menschen, der Armen macht. Wir können Jesus z.B. im Kranken begegnen, der völlig schuldlos arm ist, ebenso wie im Fremden, unabhängig davon wer oder was ihn in die Fremde geführt hat, wie auch im Gefangenen, der offensichtlich schuld an seiner Situation ist. Für Jesus macht es keinen Unterschied warum jemand arm ist, für ihn stellt sich die Schuldfrage nicht, wesentlich ist, dass diese Person jetzt leidet, jetzt Hilfe und Zuspruch braucht, jetzt uns braucht.

Und wir können in dieser Situation helfen, sind Christinnen und Christen, Gesalbte, Königinnen und Könige - wer könnte mächtiger sein als wir? Wir können etwas verändern.

Jesus weißt nicht nur darauf hin wie wichtig es ist etwas zu tun, sondern auch wie fatal es ist nichts zu tun. Denn auch ich erwische mich immer wieder dabei mir zu denken ich bemühe mich ohnehin ein guter Mensch zu sein und an verschiedenen Stellen zu helfen. Doch wenn ich mii überlege was ich alles nicht tue, dann erkenne ich schnell wie viel es noch zu tun gibt. Und dann kommt manchmal ein kurzes Gefühl der Ohnmacht mir hoch, denn alles kann ich ja nicht verändern. Aber darum geht es auch nicht. Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen dort zu handeln wo wir sehen, dass wir gebraucht werden und wo es uns möglich ist.

Und wenn wir uns wirklich immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir in unserem Gegenüber (selbst in dem, den ich nicht leiden kann, den ich nicht verstehe, oder der vielleicht sogar meinen Werten entgegengesetzt handelt) immer auch Christus erkennen können, dann bin ich mir sicher, dass das unser Handeln zum Guten verändern wird.

Pastoralassistentin Karin

 
Kurze Info:
In den kommenden Wochen werden wir uns wieder bemühen jeden Sonntag Gedanken zu den Lesungen zu veröffentlichen. Dafür freuen wir uns über Mithilfe. Sollest du auch deine Gedanken zu den Lesungen mit anderen teilen wollen, so lass es mich bitte wissen. Ebenso freu ich mich über Feedback: karin@auferstehungchristi.at