Donnerstag, 22. OKTOBER
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
Der ganze Epheserbrief ist in einer Atmosphäre des Gebets geschrieben. Mit einem feierlichen Gebet und mit Amen (3,21) schließt der lehrhafte Teil dieses Briefs. Hier kommt das in Kapitel 1 begonnene Gebet erst zum Ende; die Ausführungen über Gottes ewigen Geschichtsplan und dessen Verwirklichung in Christus und in der Kirche münden in den Wunsch, dass durch die Kirche und durch Christus Jesus Gott verherrlicht werde. Kein anderes Ziel konnte Gott der geschaffenen Welt geben als „das Lob seiner Herrlichkeit“ (1,6.12.14). Aber Lob setzt Wissen voraus; man lobt sinnvollerweise nur das, was man kennt. Darum bittet der Apostel für die Gemeinde um eine Erkenntnis, die bis in die Tiefen der Gottheit reicht. Eine solche Erkenntnis ist Glaube und Liebe zugleich. Durch sie wohnt Christus im Herzen der Menschen, in jener tiefen Mitte, aus der alles Erkennen und Lieben hervorquillt. Mit der Erkenntnis wächst die Liebe und mit der Liebe die Erkenntnis. Nur eine lebendige Kirche, nur eine Gemeinde, die ständig im Glauben und in der Liebe wächst, kann der Welt die frohe Botschaft weitergeben. - Zu 3,14-15: Röm 14,11; Phil 2,10-11. - Zu 3,16-19: Röm 7,22; 2 Kor 4,16; Joh 14,23; 2 Kor 7,5; Röm 12,9-21; Ez 40. - Zu 3,20-21: Röm 16,25-27; 2 Kor 3,10; 9,14; Phil 4,7.
 
LESUNGEph 3, 14-21
In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet, sollt ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser
Brüder!
Ich beuge meine Knie vor dem Vater,
nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird,
und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt.
Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet,
sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen
und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.
Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können,
er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen.
 
ANTWORTPSALMPs 33, 1-2.4-5.11-12.18-19
1        Ihr Gerechten, jubelt vor dem Herrn;
          für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
2        Preist den Herrn mit der Zither,
          spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!
4        Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig,
          all sein Tun ist verlässlich.
5        Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
          die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.
11      Der Ratschluss des Herrn bleibt ewig bestehen,
          die Pläne seines Herzens überdauern die Zeiten.
12      Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
          der Nation, die er sich zum Erbteil erwählt hat.
18      Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,
          die nach seiner Güte ausschaun;
19      denn er will sie dem Tod entreißen
          und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.
 
ZUM EVANGELIUM
„Feuer“ ist im Alten und Neuen Testament Bildwort für das Gericht (vgl. Mal 3,2.19; Lk 9,54; Offb 8,5). Jesus ist (seit Lk 9,51) auf dem Weg nach Jerusalem, und er weiß, was dort geschehen wird. Es ist die Zeit der Entscheidung (Joh 12,31), und Jesus sehnt die Stunde herbei (vgl. Lk 22,15). Das Wort von der Taufe (12,50) meint nichts anderes; es ist das Untertauchen im Meer des Leidens (vgl. Jer 38,4-6.8-10). Feuer und Taufe: beides ist zugleich Gericht und Reinigung und Heil. Jesus, der Gekreuzigte, wird das Zeichen sein, an dem die Geister und Geschicke sich scheiden. Das Kreuz ist Angebot und Anspruch Gottes; wer sich ihm verschließt, ist schon gerichtet (Joh 3,18). Feuer und Taufe können auch vom Heiligen Geist verstanden werden; das Endergebnis ist aber das Gleiche; der Geist Gottes ist das Feuer, in dem alles geprüft und geläutert und in Reinheit vollendet wird. - 2 Kön 1,9-15; Jes 8,12-15; Mt 10,34-36; Joh 14,27.
 
EVANGELIUMLk 12, 49-53
Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern Spaltung
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!
Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.
Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.
Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei,
der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.