Mittwoch, 21. OKTOBER
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
Soll der Christ seine Situation verstehen, so muss er auch wissen, wie die Botschaft und die „Gnade Gottes“ (3,2) zu ihm gekommen sind, mit anderen Worten: er muss Grundkenntnisse über die Geschichte der Kirche haben. Christus hat die Kirche auf das Fundament der Apostel und der Propheten gestellt (2,20). Die Verse 3,2-13 beschreiben den Dienst der Apostel und den des Paulus im Besonderen. Er hat sein Apostelamt mit der besonderen Ausrichtung auf die Heiden („für euch“, 3,2) bekommen. Das war für ihn selbst, den Juden und Pharisäer, etwas völlig Unerwartetes, das er überhaupt nur „durch eine Offenbarung“ begreifen konnte. Als Jude konnte er sich die Heiden höchstens als „Proselyten“ vorstellen, als solche, die sich dem Judentum anschließen, so gut sie können, ohne jedoch wirklich Juden zu werden. Nun aber sind die Heiden Miterben, gehören zum gleichen Leib, haben teil an der gleichen Verheißung (V. 6). Davon wussten „die Menschen“ nichts (V. 5): auch Abraham, Mose und die Propheten der alten Zeit nicht. Den „Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs“ (V. 10) wird es jetzt erst klar, da durch die Predigt des Apostels Gottes ewiger Plan verwirklicht wird und die eine Kirche aus Juden und Heiden ins Dasein tritt. „In Christus“ haben die Worte Freiheit und Vertrauen (V. 12) einen neuen, alle Räume ausfüllenden Klang erhalten. - Zu 3,2-6: Gal 1,12; Röm 16,25-27; Joh 14,26; Eph 2,12-19. - Zu 3,7-12: 2 Kor 3,6; Kol 1,23; 1 Thess 2,4; 1 Kor 15,8-9; Gal 2,8; 1 Kor 2,7-9; 1 Petr 1,12; Röm 5,1-2.
 
LESUNGEph 3, 2-12
Das Geheimnis Christi ist jetzt offenbart worden: dass nämlich die Heiden Miterben der Verheißung sind
Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser
Brüder!
Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat.
Durch eine Offenbarung wurde mir das Geheimnis mitgeteilt, das ich soeben kurz beschrieben habe.
Wenn ihr das lest, könnt ihr sehen, welche Einsicht in das Geheimnis Christi mir gegeben ist.
Den Menschen früherer Generationen war es nicht bekannt; jetzt aber ist es seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden:
dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium.
Ihm diene ich dank der Gnade, die mir durch Gottes mächtiges Wirken geschenkt wurde.
Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde diese Gnade geschenkt: Ich soll den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen
und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war.
So sollen jetzt die Fürsten und Gewalten des himmlischen Bereichs durch die Kirche Kenntnis erhalten von der vielfältigen Weisheit Gottes,
nach seinem ewigen Plan, den er durch Christus Jesus, unseren Herrn, ausgeführt hat.
In ihm haben wir den freien Zugang durch das Vertrauen, das der Glaube an ihn schenkt.
 
ANTWORTPSALMJes 12, 2.3 u. 4.5-6
2        Gott ist meine Rettung;
          ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.
          Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr.
          Er ist für mich zum Retter geworden. - (R)
3        Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude
          aus den Quellen des Heils.
4        Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
          Macht seine Taten unter den Völkern bekannt,
          verkündet: Sein Name ist groß und erhaben! - (R)
5        Preist den Herrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht;
          auf der ganzen Erde soll man es wissen.
6        Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion;
          denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.
 
ZUM EVANGELIUM
Niemand weiß den Tag, an dem der Herr kommen wird, um zu richten und zu retten. Von allen wird Wachsamkeit gefordert, besonders aber von denen, die in der Kirche Vollmacht empfangen und Verantwortung übernommen haben. Auf die Frage des Petrus, wer mit dem Gleichnis vom Herrn des Hauses und dem Dieb in der Nacht gemeint sei, antwortet Jesus mit einem weiteren Gleichnis. Deutlich wird der „Herr des Hauses“ von V. 39 mit dem treuen und klugen Verwalter (V. 42) gleichgesetzt. Der Verwalter ist nicht Eigentümer, aber er ist für das Haus verantwortlich. Der Apostel, der Leiter einer Gemeinde, hat das Wächteramt über die Lehre; er kennt das Wort und den Willen seines Herrn und hat keine Entschuldigung, wenn er seinen Auftrag versäumt hat. Wem mehr anvertraut wurde, von dem wird auch mehr gefordert (V. 48). - Zu 12,39-46: Mt 24,43-51. - Zu 12,42-44: 1 Kor 4,1-2; 1 Petr 4,10; Tit 1,7.
 
EVANGELIUMLk 12, 39-48
Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?
Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?
Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht,
dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen.