Samstag, 17. April
SCHRIFTLESUNGEN
mit Kommentaren aus dem Schott-Messbuch
 
ZUR LESUNG
Die Gemeinde von Jerusalem wird allmählich größer. Außer den „Hebräern“ gibt es „Hellenisten“, Diasporajuden, die nach Jerusalem gezogen sind, vielleicht auch Leute nichtjüdischer Abstammung, die sich zuvor als Proselyten dem Judentum angeschlossen hatten. Während bisher in der Apostelgeschichte immer die Einheit der Gemeinde betont wurde, hören wir jetzt von Spannungen; die Witwen der Hellenisten wurden bei der Armenpflege übersehen, und zwar gewohnheitsmäßig. Vielleicht verweigerten überhaupt die Hebräer den Hellenisten die Tischgemeinschaft; damit aber war die Gefahr einer Spaltung gegeben. Den einheimischen Judenchristen fiel es schwer, die weltoffene Geisteshaltung der Hellenisten und ihre freiheitlichere Auffassung von Gesetz und Kult anzuerkennen. Die junge Kirche überwand diese Gefahr nicht durch Diskussion, also nicht theoretisch, sondern praktisch: die Apostel übertrugen gerade den Hellenisten das Amt der tätigen Liebe, und zwar für die Gesamtgemeinde. Die Aufteilung in Dienst des Tisches und Dienst des Wortes wurde sehr schnell durch die Entwicklung überholt, wie sich am Beispiel des Stephanus und des Philippus zeigt.
 
LESUNG
Aus der Apostelgeschichte

In jenen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf.
Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.
 
PSALM (33, 1-2.4-5.18-19)
1        Ihr Gerechten , jubelt vor dem Herrn;
          für die Frommen ziemt es sich, Gott zu loben.
2        Preist den Herrn mit der Zither,
          spielt für ihn auf der zehnsaitigen Harfe!
4        Denn das Wort des Herrn ist wahrhaftig,
          all sein Tun ist verlässlich.
5        Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
          die Erde ist erfüllt von der Huld des Herrn.
18      Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren,
          die nach seiner Güte ausschaun,
19      denn er will sie dem Tod entreißen
          und in der Hungersnot ihr Leben erhalten.
 
ZUM EVANGELIUM
Die Brotvermehrung geschah am hellen Tag, aber der Tag war nicht hell genug, um der Menge das ge­schehene Zeichen sichtbar und verstehbar zu machen. In der Nacht fuhren die Jünger dann über den See, sie allein; sie gehören nicht zur Volksmenge, aber auch Jesus ist „noch nicht“ bei ihnen. Sie müssen allein abfahren, dann aber wird die Nacht hell: Jesus erscheint ihnen und sagt: „Ich bin es.“ Im Alten Bund hat Gott sich seinen Erwählten so vorgestellt: „Ich bin ...“; jetzt ist Jesus der Ort, an dem Gott gegenwärtig ist und erfahren werden kann.
 
EVANGELIUM
Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes
Als es aber spät geworden war, gingen seine Jünger zum See hinab, bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu. Es war schon dunkel geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen.
Da wurde der See durch einen heftigen Sturm aufgewühlt.
Als sie etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gefahren waren, sahen sie, wie Jesus über den See ging und sich dem Boot näherte; und sie fürchteten sich.
Er aber rief ihnen zu: Ich bin es; fürchtet euch nicht!
Sie wollten ihn zu sich in das Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten.