Gedanken zu den Lesungen vom 4. Dezember 2022
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"Denkt um!" (Mt 3,2), steht da eigentlich wortwörtlich im griechischen Text des heutigen Evangeliums. Und damit wird für mich viel Deutliches zum Ausdruck gebracht, worum es diesen Johannes dem Täufer ging. Ausführlich und in durchaus spannenden Erzählungen ist von ihm im Matthäusevangelium die Rede. Die Aufgabe von Johannes dem Täufer war es, Wegbereiter zu sein für den Christus, also hinzuweisen auf Jesus.
 
Genau das kann auch meine Aufgabe sein, dass ich hin weise auf Jesus: Auch durch mich kann Gottes frohmachende Botschaft die Menschen von heute erreichen und berühren. Auch ich kann in andere Zuversicht wecken und ihnen erzählen, dass ich glaube, dass da noch was kommt, am Ende meines Lebens, oder dass ich fest darauf vertraue, dass Gott keinen Menschen aufgibt, dass Gräben zwischen Menschen und Völkern zugeschüttet werden können und Streit ehrlich und aufrichtig begraben werden kann, dass Friede auch im Kleinen lebbar ist ...
 
Ich bin fest davon überzeugt, dass Gottes Nähe auch heute nach wie vor zu spüren ist, wenn Menschen auf Gewalt verzichten, obwohl sie Macht haben. Und Gott begegnet mir ganz besonders in den Menschen, die nicht mit Gegengewalt antworten, obwohl sie gerade benachteiligt und unterdrückt werden, obwohl sie gedemütigt oder angegriffen worden sind. Ich spüre Gottes Nähe, wenn Menschen ihre Vorurteile und Feindbilder abbauen, wenn sie ihren Hass auf bestimmte andere Menschen oder Gruppen überwinden, wenn sie Konflikte auf faire Weise zu lösen versuchen, wenn sie nach schlimmen Auseinandersetzungen oder gar Kriegen die Hand zur Versöhnung ausstrecken, zur Vergebung bereit sind und neu anfangen.
 
In all diesen Situationen denken Menschen um, wird Gott auch heute ein Weg bereitet. Umdenken, darunter verstehe ich auch, das Gespräch zu suchen, wo etwas miteinander zu klären ist, meine Gefühle an- und auszusprechen, der/dem anderen zuzuhören, die Sicht der anderen zu verstehen versuchen und gemeinsam eine Lösung zu finden, mit der beide Seite leben können. Umdenken kann heißen, dass ich um Entschuldigung bitte. Das kann zu einer befreienden und froh machenden Erfahrung werden, ganz anders als ein halbherziger Handschlag. Umdenken das kann dazu führen, dass ich bei politischen oder kirchlichen Meinschungsverschiedenheiten die Gegenseite nicht herabsetze.
 
"Denkt um!", damit auch heute Gott ein Weg bereitet wird, und er zu spüren ist in meinem/unserem Alltag.