Vorbeigehen
(Elisabeth Maier)
 
Jeden Tag mache ich mich auf den Weg in die Arbeit. Zuerst gehe ich zu Fuß von meiner Wohnung zur U-Bahn.
Je nach Tageszeit, begegne ich in dem kleinen Park entweder Menschen, die leere Flaschen sammeln, oder Menschen, die leere Flaschen produzieren.

An meiner Haltestelle angekommen, sitzt, ganz oben am Ausgang, seit ein paar Wochen eine Frau und singt, vermutlich auf Arabisch.
Sie sitzt dort, egal, wie das Wetter ist. Wenn es schneit, hüllt sie sich lieber in eine Bettdecke, statt ihren Gesang einzustellen.

Nur ein paar Meter weiter, immer am gleichen Hauseck, steht ein älterer, verwahrloster Mann. Er bittet jeden Passanten leise um 5 Cent.

Jeden Tag begegne ich diesen Menschen. Und jeden Tag gehe ich vorbei.
Höchste Zeit, mir ein Herz zu fassen, und zumindest an einem nicht mehr nur vorbei zu gehen.