ASCHERMITTWOCH

Wer ist mein Nächster?
Am Aschermittwoch, am Beginn dieser Zeit des Fastens und der Umkehr vor Ostern, empfangen wir das Aschenkreuz – verbunden mit der Aufforderung:
Kehr um und glaube an das Evangelium!
Was aber ist der Kern des Evangeliums, der Frohen Botschaft, auf die uns wieder neu einzulassen wir aufgefordert werden? – Dazu gibt es eine bekannte Bibelstelle:

Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben!
Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen. Sie plünderten ihn aus und schlugen ihn nieder; dann gingen sie weg und ließen ihn halbtot liegen. Zufällig kam ein Priester denselben Weg herab; er sah ihn und ging vorüber. Ebenso kam auch ein Levit zu der Stelle; er sah ihn und ging vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam zu ihm; er sah ihn und hatte Mitleid, ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn. Und am nächsten Tag holte er zwei Denare hervor, gab sie dem Wirt und sagte: Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde? Der Gesetzeslehrer antwortete: Der barmherzig an ihm gehandelt hat. Da sagte Jesus zu ihm: Dann geh und handle du genauso!
Lk 10,29-37

In der vergleichbaren Bibelstelle bei Matthäus (Mt 22,35-40) fragt der Gesetzeslehrer Jesus, welches Gebot im Gesetz das wichtigste sei, und Jesus gibt die obige Antwort – mit der Betonung, dass das zweite Gebot (Nächstenliebe und Selbstliebe) ebenso wichtig sei wie das erste (Gottesliebe) und den Zusatz: An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Und bei Markus (Mk 12,28-34) ergänzt der Schriftgelehrte, dass in dieser Weise zu leben weit mehr sei, als alle Brandopfer und anderen Opfer und Jesus sieht, dass er mit Verständnis geantwortet hat und sagt zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.

Das Gleichnis ruft uns auf, Distanz zu überwinden und selbst „zum Nächsten zu werden“, und zwar jenen Menschen, die geschunden wurden und in Not sind, indem wir an ihnen barmherzig handeln. Als Vorbild bringt Jesus einen Menschen aus Samaria, einen „Ausländer“ und „Andersgläubigen“, der in Judäa, abseits seiner Heimat, Not lindert – an ihm können wir den Weg zu einem Leben in Fülle erkennen!
 
Aus dem Fastenkalender 2021 der Parre Auferstehung Christi 1220 Wien